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Das Leben und der Sensenmann



Wie wirkt der Tod auf unser Leben?

Wie gehören Tod und Unendlichkeit zusammen? Und wie gehört das Leben da dazu?? Schaffen wir uns durch unser Lebenswerk unser „Leben nach dem Tod“ selbst?

Egal wie, mir scheint, wir sind immer auf das Unendliche bezogen, wie Motten auf das Licht… beschäftigt mit Religionen, Philosophien, mit Mythen, mathematischen Formeln und Weltraumfahrten.


Unser Tod markiert dann die Grenze zwischen dem Endlichem und diesem Un-Endlichem. Leben soll ja bekanntlich auf beiden Seiten stattfinden… dann wäre er die Trennung zwischen unserem Leben und dem ewigen Leben- aber ich kann mir nicht helfen, dieses Ewige hat in meiner -begrenzten -Vorstellung etwas Steifes- eben Totes an sich…dann betrauern wir vielleicht vor allem das Sterben unserer gewohnten Endlichkeit. Den Tod des Ichs.

Manche glauben an etwas Ewig-Endgültiges hinter der Grenze, aber dem widerspricht die ganze Natur: Tod schafft immer wieder neues Leben- wie vielleicht ein unzertrennbares Liebespaar…


Das Unbewusste ist auch grenzenlos. Ich stelle mir vor, dort könnte auch die Schnittstelle zwischen dem Leben vor und nach dem Tod zu finden sein…

Diese Beziehung zu dem Urwald des Unbewussten ist uns ja oft auch nicht ganz geheuer. Unser Ich wird gepflegt, wie ein Garten. Man kann es anschauen, faconnieren, gestalten. „Nur wenn ich weiss, daß das Grenzenlose das Wesentliche ist, verlege ich mein Interesse nicht auf Dinge, die nicht von entscheidender Bedeutung sind.“, schreibt C.G.Jung.

„Wenn ich das nicht weiss, so insistiere ich darauf, um dieser oder jener Eigenschaft Willen, die ich als persönlichen Besitz auffasse, etwas in der Welt zu gelten: Wegen meiner Begabung, meiner Schönheit usw.

Je mehr ein Mensch auf diesen falschen Besitz insistiert und je weniger das Wesentliche für ihn spürbar ist, desto unbefriedigender ist sein Leben…

Das Gefühl für das Grenzenlose erreiche ich aber nur, wenn ich auf das Äußerste begrenzt bin.

Die größte Begrenzung des Menschen ist das Selbst…“ ( Das Selbst zu erfassen würde dann heissen, sein Bewusstsein über das Ich hinaus zu erweitern: Persona, Schatten, archetypische Kräfte, Kollektives und Persönliches Unbewusstsein…. )

„Es manifestiert sich im Erlebnis „ich bin nur das!“ In dieser Bewusstheit erfahre ich mich zugleich begrenzt, als auch ewig- als das Eine und das Andere….ohne Einzigartigkeit und Begrenztheit auch keine Bewusstwerdung, ohne sie keine Wahrnehmung des Unbegrenzten,….


Unsere Zeit hat alle Betonung auf den diesseitigen Menschen verschoben und damit eine Dämonisierung des Menschen und seiner Welt herbeigeführt…“

Ich verstehe das gerade so: Bewusstseins-Erweiterung ermöglicht uns, die Begrenztheit überhaupt erst spürbar zu machen.

Das Spiel mit dieser Grenze hebt den Tod nicht auf, nimmt ihm aber den Schrecken.

Es ginge also um das Vertrautmachen mit dem Jenseitigen, dem wir aber in dieser Zeit kaum Aufmerksamkeit widmen…

Erst das Sterben, der Tod führt uns dann wieder dieser Unbegrenztheit zu. Wir stehen nur mitunter dann recht unvorbereitet da, es erwischt uns gefühlt zu früh, egal ob wir dann gerade mal 20 oder schon hundert Jahre alt sind.

Wenn das so ist, warum schauen wir zu diesem unbegrenzten Unbewussten dann nicht selbstverständlicher hin? Es zieht uns in die Körperlichkeit, wir folgen mit der Aufmerksamkeit dem sterbenden Teil und es fällt uns schwer dabei nicht zu trennen: das ist Alles- das ist Nichts…

Todes-Angst begleitet unser Leben.


Leben, könnte man sagen, ist der uns sichtbare Teil der Medaille- wir wollen die andere Seite nicht annehmen. Der Todes-Aspekt wird damit vom Lebens-Aspekt getrennt, die beiden Hälften wirken dann wie unvereinbar.

Schon das All ist ein Sinnbild für dieses Alles oder Nichts. Auch dort geht es um die sich bedingende Verbindung dieser zwei Seiten.

Wir beziehen uns darauf, versuchen es zu fassen und hadern damit seit Menschengedenken und tragen es als Bild in unserem kollektiven Gedächtnis. Diese Trennung scheint uns so gesehen in die Wiege gelegt.

Der Tod steht dabei dann an der Grenze zwischen dem Vermeintlichem „Allem“ und dem„Nichts“. (Wobei grosse Unterschiede in der Sicht darauf bestehen: Wo sich wohl dabei das Alles - und wo das Nichts befinde?? Kriege sind darum ja sicher schon genug geführt worden…)


Das Bild des Sensenmannes ist da super geeignet! Ohne ihn würde sich diese scharfe Trennung aufheben…

Eine komische Vorstellung. Ein Menschenleben ohne Tod? Das will ich mir gar nicht vorstellen! (Immer weiter an den gleichen Zöpfen flechten, Erfahrungen, Kerben, die prägten, von denen man sich nicht lösen kann…)

Mönche probieren ja die Erweiterung des Bewusstseins so voranzutreiben, daß sie am Ende nicht wieder geboren werden müssen (- weil wo man seine Kerben sozusagen im Griff hat, ihnen nicht mehr auf den Leim geht- und dadurch auch nicht mehr das Alles und das Nichts verwechselt, da braucht man dann auch nicht mehr hin…)

Obwohl: Irgendwie habe ich meine Kerben auch lieb gewonnen- ich glaube , ich möchte sie noch ein bissl als Sparring-Partner behalten…

(Also meine nächste Runde ist damit gesichert ; )! )


Was wäre mit einem anderen Blick darauf: „sowohl- als auch“, zum Beispiel…? Also übersetzt: Die Leere, das „Nichts“ nützen, um das vermeintliche „Alles“ aus einer anderen Perspektive neu zu inszenieren.

Der Tod als Chance des Neu-Zusammenfügens, der Luft für Neues…Klingt auf jeden Fall besser, als vorher Alles und danach Nichts (oder umgekehrt, je nach Blickpunkt)- und der Sensenmann dazwischen! - Und ist ja auch kein neuer Gedanke:

Das Wissen um unsere Erneuerung ist sehr alt. Älter, als alle Verleugnung des Natur-Kreislaufes: Leben-Tod-Leben. Es ist ein archetypisches Muster, dem wir instinktiv, auch in unseren Bildern, folgen:

Oft sind es Frauen-Gestalten aus der Mythologie, denen man diese Kraft zuschreibt: Demeter, Baba Yaga, Berchta,, Kali, Hel,….Gestalten, die uns zumindest Ehrfurcht einflössen.

Ich finde es schön den Tod als Verwandler der Seele zu verstehen. Transformation und Verwandlung bringt uns weg von Gewohntem, (was ja erfahrungsgemäß auch schnell mal skeptisch machen kann… )


Mir gefällt das Bild von Pinkola Estes, das sie in der „Wolfsfrau“ beschreibt:

In der Dünenlandschaft der Great Lakes/Nordamerika erzählt man sich von eine alten Dame, die eine Durchreisenden Fremden in ihr Haus kommen lässt und Nacht für nacht mit ihm beim flackernden Kaminfeuer Tango tanzt. Der Wandersmann heisst Tod. Schon bei der Begrüssung sagt sie:“ Ah, ich kenne Dich gut mein Freund. Du warst hier, als meine Felder blühten- und als sie verwüstet wurden und mir genommen worden sind. Du warst hier, als meine Kinder kamen, als sie fortgingen und als sie starben. Du hast mich viele Tränen vergiessen lassen- und mir viele Schritte beigebracht. Also nimm mich in den Arm und tanz mit mir, Gevatter Tod. Ich kenne all Deine Schritte!“

Der Tod als Lehrmeister des Lebens also:

Wer liebt, tanzt mit dem Tod und lernt im Lauf der Zeit all seine Schritte: Stolz, Verschlossenheit, Begierde, Leidenschaft, Langeweile, Nähe, Ferne…Wir treten der Urkraft entgegen und tanzen mit ihr Tango.

„Die Tränen des verstehenden Mitgefühls verwandelt diese zyklische

Natur-Gewalt von der Künderin des Todes in die Künderin der Auferstehung von allen Toden“, schreibt Estes dazu.

Das kenn ich doch von wo….


Es kann nichts getrennt voneinander existieren, ausser wir trennen es.


Buchtip: Weinreb Lesebuch

Video-Tip /Netflix- Serie:“ Love, death & robots“, Serie 14: „Zima Blue“